München, 09.12.2015

Bis für einen Patienten mit Depression das geeignete Antidepressivum gefunden wird, sind zum Teil mehrere Behandlungsversuche notwendig. Bei rund zwei Dritteln aller Betroffenen kann in den ersten Monaten keine vollständige Heilung erzielt werden – Wartezeit, die nicht selten mit unerwünschten Nebenwirkungen und verlängertem Leidensdruck verbunden ist. Ein labordiagnostisches Verfahren verheißt hier nun einen Durchbruch.

Damit ein Antidepressivum seine Wirkung im Gehirn entfalten kann, muss es die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Die Funktion der Blut-Hirn-Schranke besteht unter anderem darin, das Gehirn vor dem Eindringen schädlicher Substanzen zu schützen. Mitunter werden so aber auch Antidepressiva am Übergang in das Hirngewebe gehindert, sodass sie ihre Wirkung nicht ausreichend entfalten können.

Forscher am Max-Planck-Institut für Psychiatrie konnten zeigen, dass dieser Schutzmechanismus genetisch bestimmt ist und demnach von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausfallen kann.

Mit dem neuen ABCB1-Test kann auf Grundlage einer Blutprobe des Patienten untersucht werden, ob die Passage von Antidepressiva ins Gehirn im Einzelfall vermindert oder erleichtert ist. So erhält der Arzt einen Anhaltspunkt, welches Medikament in welcher Dosierung für seinen Patienten am besten geeignet ist. Der ABCB1-Test ist nur einmal im Leben erforderlich, das Testergebnis lebenslang gültig.

Der ABCB1-Test ermöglicht den gezielten Einsatz von Antidepressiva. „Zum ersten Mal gibt es einen Test, mit dem der Arzt die heute verfügbaren Anti- depressiva optimal einsetzen kann“, sagt Professor Florian Holsboer, einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Depressionsforschung und Geschäftsführer des Münchner Unternehmens HMNC Brain Health, das ge- meinsam mit dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie den ABCB1-Test entwickelt hat.

Die Internetseite www.abcb1-test.de vermittelt wissenschaftliche Hintergründe zum ABCB1-Test und bietet Fachinformationen für Ärzte, Kliniken und Labore. In einem separaten Bereich werden auch Betroffene selbst umfassend informiert. Die Internetseiten bieten Informationsblätter zum Download an, mit denen Patienten ihre behandelnden Ärzte auf den Test aufmerksam machen können.

„Patienten, deren Therapieplan das ABCB1-Testergebnis berücksichtigt, haben in kürzerer Zeit ein besseres Behandlungsergebnis“, so Holsboer.

Die Anwendung des ABCB1-Tests in Klinik und Praxis ist somit ein erster großer Schritt in Richtung personalisierter Depressionstherapie.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Manfred Uhr und Mitarbeiter konnten 2004 am Max-Planck-Institut für Psychiatrie zeigen, dass Varianten des ABCB1-Gens mit der Wirksamkeit von Antidepressiva zusammenhängen. Dies wurde in zahlreichen internationalen Studien bestätigt. Patienten, deren ABCB1-Genotyp bei der Behandlung berücksichtigt wurde, waren bei ihrer Entlassung mit höherer Wahrscheinlichkeit symptomfrei als Patienten, deren Genotyp unbekannt war.

Das Unternehmen

HMNC Brain Health ist auf die Entwicklung innovativer Therapieverfahren gegen Depression und Angsterkrankung spezialisiert. Das 2010 in München ge- gründete Unternehmen wendet das Konzept der personalisierten Medizin auf psychische Erkrankungen an und bietet mit neuartigen Medikamenten, Gentests und Biomarkern behandelnden Ärzten die Möglichkeit, für jeden Patienten individuell das am besten geeignete Medikament zu wählen.



Für Rückfragen: Dr. rer. nat. Barbara Breitenstein, HMNC Brain Health, Maximilianstraße 34,
80539 München, Tel.: 089/25 54 37 153, E-Mail: barbara.breitenstein (at) hmnc.de